Moin! In diesem Lexikon für Hamburger Spezialwissen erkläre ich Euch wichtige Begriffe und Orte und erzähle lokale Anekdoten, mit denen Ihr beim nächsten Smalltalk ein wenig „klookschieten“ könnt. Mehr Hamburg: weiter zum Blog!

A WIE ALTES LAND
Altes Land Hamburg Companion Frau Elbville

Das alte Land: Von Brauttüren und Windmühlen hinterm Deich 

Für mich klingt das „Alte Land“ immer wie ein mystischer Ort. Ich denke dann zum Beispiel an Nangijala aus Astrid Lindgrens Buch „Die Brüder Löwenherz“, einem Land, in dem Krümel und Jonathan im Kirschtal  wohnen – wohl, weil ich das Alte Land zuallererst mit der Obstblüte im Frühling in Verbindung bringe. Erst im nächsten Schritt denke ich dann an Dörte Hansens nicht minder tollen Roman „Altes Land“.

Wenn der Spaten in der Deichkrone den Bankrott verkündet…

Aber wo liegt dieses Alte Land eigentlich und warum heißt es bloß so? Das alte Land ist das größte Obstanbaugebiet Europas und erstreckt sich vor den Toren Hamburgs südlich der Elbe und östlich von Finkenwerder (mit anderen Worten beginnt es dort, wo Airbus aufhört). Im 12. Jahrhundert haben es ein paar Holländer besiedelt und noch heute erinnern kleine weiße Zugbrücken, schnurgerade Grachten und  Windmühlen an ihr Erbe. Während die holländischen Siedler das Land urbar machten, nannten sie die bearbeiteten Flächen das “Alte Land”,  das noch nicht bearbeitete Land hingegen das “Neue Land”. Irgendwann waren sie fertig mit ihrer Arbeit – deswegen hieß der gesamte Landstrich fortan also „Altes Land“. Geschützt wurde er von Deichen, die viel über die Bewohner dahinter aussagten. Ein in die Deichkrone gestochener Spaten etwa signalisierte den Bankrott des Deichbesitzers. 

Äpfel & Birnen: die Rettung in Bier- und Kirschkriegen

Bis heute gibt es noch allerlei Wundersames im Alten Land zu bestaunen: Blütenköniginnen mit Hüten, die aus nichts als Blumen bestehen, handgeschnitzte, bunt bemalte Brauttüren, die nur zu zwei Gelegenheiten durchschritten werden dürfen (1. um die Braut über die Schwelle und 2. die Toten aus dem Haus zu tragen…), fantasiereich verziertes „Buntmauer-Fachwerk“, das die reedgedeckten Obsthöfe zu  individuellem Kunstwerken werden lassen. Und jede Menge Obst, jährlich werden 250.000 Tonnen Äpfel, Birnen, Süß- und Sauerkirschen, sowie Pflaumen und Zwetschen geerntet. Das Obst hat die Altländer schon durch mehrere Krisen gebracht, den Bier- und Kirschenkrieg, und auch durch den ersten Weltkrieg. Wer heute als Hamburger etwas auf sich hält, kauft sein Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt – und zwar bei Händlern aus dem Alten Land.

Die Obstbörse am Hamburger Hopfenmarkt

Seit 600 Jahren versorgen die Bauern des Alten Landes Hamburg (und heute auch den Rest der Welt) mit ihren Produkten. Auf dem Bild unten sieht man, wie es um 1909 aussah, wenn die Gemüse- und Obsthändlerinnen am Hamburger Nikolaifleet aus den Booten stiegen, um frisches Obst und Gemüse aus dem Alten Land zu verkaufen. Meistens liefen sie mit ihren Körben zum Hopfenmarkt (vor dem heutigen Mahnmal Nikolaikirche), wo sich die Vierländer und Altländer Händler damals versammelten, weil er die Blumen-, Obst- und Gemüsebörse der Stadt war. 


Quelle: Museum für Kunst & Gewerbe Online-Sammlung, CC

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