Wo Hamburg wie Venedig ist: Kleines Kompendium der schönsten Hamburger Fleete

Venedig, bitte versteh‘ das jetzt nicht falsch! Du bist ein magischer Ort. Aber weißt Du eigentlich, dass Du hier im Norden eine nicht minder schöne Schwester namens Hamburg hast? Manchmal wird sie sogar mit Dir verwechselt. Auch wenn das für Dich absurd klingen mag und Ihr in Wirklichkeit natürlich keine Geschwister seid, gibt es tatsächlich ein paar Ähnlichkeiten zwischen Dir und IHR. Und die haben mit ganz viel Wasser zu tun…

TEXT & FOTOS: SUSANNE KRIEG

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Wandbereiterbrücke, Hamburger Kanäle, Hamburg Companion, Elbville

Brooksfleet

Vor einiger Zeit stieß ich auf Pixabay auf ein Stockfoto. Es zeigt – wie hier zu sehen – den Brooksfleet, einen Kanal inmitten der Speicherstadt von Hamburg, nur in entgegengesetzter Richtung. Das Bild war mit „Venedig“ statt mit „Hamburg“ betitelt – und das ist es immer noch, eine „Fake News“, die sich bis heute hartnäckig gehalten hat, obwohl nicht nur ich, sondern auch andere besserwisserische Nutzer versucht haben, das Ganze richtig zu stellen… Die Lehre? Glaube nicht arglos alles, was Du im Internet liest! Aber dafür darfst Du MIR nun glauben, dass sich für manche Menschen Hamburg und Venedig tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sehen!

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Blick von der Poggenmühlenbrücke auf Hamburgs Kanäle

Poggenmühlenbrücke

Die Brücke, auf der Du hier meinen roten Flitzer parken siehst, gehört zweifelsohne zu den beliebtesten Instagram-Locations Hamburgs. Was auch am „Wasserschloss“ liegen mag, das aus dieser Perspektive seine Schokoladenseite präsentiert: von mächtigen Speichern umgeben, thront es auf einer der vielen Inseln, auf denen Hamburgs Speicherstadt emporragt. In dem Gebäude, in dem keine Fürsten residierten, sondern ganz normale Windenwärter, findest Du heute ein Teekontor. Dazu ein Restaurant. Dessen Bewertungen sind allerdings mittelprächtig – wie fast immer, wenn die Lage überragend ist. Doch zurück zum Thema Brücken: Allein auf diesem Bild gibt es drei. Wie die Venezianer lieben die Hamburger die vielen Stege, die ihnen dabei helfen, all die Wasserstraßen der Stadt zu überwinden. Und wir prahlen gern damit, dass es davon 2500 in Hamburg geben soll. Dabei wird häufig betont, dass das ja viiiel, viiiel mehr seien als in Venedig, wo sich nur etwas mehr als 400 befinden… Doch mach’ Dir nichts draus, alte Lagunenlady, denn, ehrlich gesagt, ist das kein allzu großes Kunststück: Hamburg ist schließlich um einiges größer als Du … Der Vergleich ist darum unfair. Er hinkt.

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Mönckedammfleet

Der Mönckedammfleet ist eine Kurve aus Wasser, Stein und Spiegelbildern. Die Gebäude erinnern mich dabei an den berühmt geschwungenen Circus der englischen Stadt Bath. Auch der Canal Grande ist ja eine einzige Kurve, du weißt also, wovon ich rede, liebe Lagunenstadt. Aber hast Du schon mal einen Kanal gesehen, über dem eine U-Bahn-Trasse verläuft wie eine Loopingbahn? Das tut sie in diesem Fall, weil sich die Linie U3 kurz hinter dem Rödingsmarkt von einer Hoch- in eine Tunnelbahn verwandelt. Die Waggons tauchen plötzlich ab wie Käptn Nemos Nautilus. Doch schon einige Stationen später, am Berliner Tor, rauschen sie aus den Tiefen wieder hinauf ans Tageslicht.

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Blick auf Hamburgs Kanäle: Herrengrabenfleet, Foto: Susanne Krieg

Herrengrabenfleet

Allein rund um die Alster spinnt sich ein Netz aus 22 Kanälen. Einer davon ist der Herrengrabenfleet, ein ehemaliger Verteidigungsgraben. Sein Name erinnert an ein Privileg: Nur Bürgermeister und Ratsherren durften hier Fische fangen. Natürlich gab es solche Vorrechte auch im Venedig der Dogen, wo jedem die Hand abgehackt wurde, der ohne Genehmigung auch nur einen hölzernen Stecken in die Lagune pflanzte. Am Herrengraben finden sich immer noch schöne alte Kontor- und Lagerhäuser. Aber manchmal auch Hobbyangler. Denn die dürfen inzwischen ihre Ruten ungestraft ins Wasser werfen. Karpfen, Aale, große Fluss­muscheln: Das scheinbar trübe Wasser ist sogar artenreichreicher als bisher vermutet. Ergeben hat das eine Studie von 2016. Und mithilfe von Unterwasser-Weidekugeln und Fischtreppen wollen die Hamburger nun auch noch Meeresforellen, Neunaugen und andere Wander­fische wieder ansiedeln. PS: Das Aufmacher-Bild dieses Posts zeigt übrigens ebenfalls den Herrengrabenfleet mit Sicht auf die Ellerntorsbrücke.

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Hamburgs Kanäle: Nikolaifleet mit Fachwerkhäusern (Foto: Susanne Krieg)

Nikolaifleet 

Fleet oder Kanal? Und was, bitte, bedeutet das Wort Fleet eigentlich genau? Ich kann Dich beruhigen, liebes Venedig, das wissen selbst viele Hamburger nicht. Auch ich wusste es nicht. Doch ich habe mich extra für Dich schlau gemacht. Also, pass auf: Anders als bei den Kanälen waren die Fleete nämlich ursprünglich tideabhängig, ihr Wasserstand schwankte mit Ebbe und Flut. Viele von ihnen wurden bereits im 19. Jahrhundert zugeschüttet. In den übrig gebliebenen Fleeten regeln heute Schleusen den Wasserstand. Das Wort Fleet kommt dabei von „fleten“, wie man im mittelalterlichem Deutsch sagte, wenn man „fließen“ meinte. Es hat also nichts mit dem englischen Begriff „fleet“ (Flotte) zu tun. Noch Fragen? Nö. Dann lass mich Dir noch kurz sagen, dass der meiner Meinung nach schönste Fleet Hamburgs der hier gezeigte Nikolaifleet ist. Und wenn ich ehrlich sein soll, versprüht er für mich sogar einen Hauch mehr Amsterdam als Venedig.

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Nikolaifleet mit Blick auf die St. Catharinenkirche

Reimersbrücke

Der hier erneut fotografierte Nikolaifleet ist groß. So groß, dass er im 12. Jahrhundert die Keimzelle des Hamburger Hafens war. Damals verband er Alster und Elbe, so wie Dein Canal Grande die Lagune mit dem Bassin von San Marco. Auf alten Fotos von ihm fallen einem vor allem die flachen Kähne auf, Schuten und Ewer genannt. Sie transportierten damals Waren von den großen Segelschiffen durch die engen Wasserstraßen zu den Kontorhäusern. Anders als Deine Gondolieri bewegten die Ewerführer Hamburgs ihre Boote nicht durch Paddeln vorwärts. Vielmehr steckten sie ihre langen Haken am Rand der Fleetmauern in Löcher, um sich daran vorwärts zu ziehen. Dabei gingen manchmal Waren und auch viel Müll über Bord. Bei Ebbe, oft bei Nacht, stapften dann sogenannte Fleetenkieker mit Watstiefeln und Laternen durch den Schlick. Diese bitterarmen Vorfahren der Hamburger Müllabfuhr verdienten sich durch das Reinigen der Fleete ein Zubrot und hofften nebenbei noch auf wiederwertbare Fundstücke.

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Rundern zum Rondeelteich Alsterkanal, Hamburger Kanäle (Foto: Susanne Krieg)

Rondeelteich

Eine Paddeltour in Hamburg ist ein voyeristisches Abenteuer. Denn die Kanäle und Fleete oberhalb der Alster führen nicht selten durch noble Ecken, wo die Gärten der Villen das Ufer wie kolossale Tortenstücke säumen. Wer an einem schönen Tag ein Picknick auf dem Wasser machen und dabei ein wenig die Residenzen der Pfeffersäcke beäugen möchte, kann Holzkanus mieten, Drachenboote, Kajaks, Tretboote, Katamarane – und sogar Gondeln. Ja, du hast richtig gehört! Echte venezianische, blank polierte GONDELN, geführt von einer in Venedig ausgebildeten Gondoliera. Frauen am Steuer einer Gondel – ja, das gibt es tatsächlich nur in Hamburg!

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Kibbelstegbrücke: Speicherstadt. Blick auf Hamburgs Kanäle (Foto: Susanne Krieg, Frau Elbville. Hamburg Companion)

Kibbelstegbrücke

Der Ort, an dem Hamburg für mich persönlich wohl am ehesten so ist wie Du, , ist die Kibbelstegbrücke in der Speicherstadt. Vielleicht ist es das grüne Wasser, vielleicht die alten Gemäuer. Immer wenn ich im Regen auf dieser Brücke stehe, erwarte ich jedenfalls, dass mir gleich Comissario Brunetti entgegen kommt, um mal wieder die echten Probleme der Menschheit zu lösen. Die Kibbelstegbrücke ist übrigens eine der längsten der Speicherstadt und verbindet die Hamburger Altstadt mit der Hafencity. Der obere Teil ist dabei offizieller Fluchtweg bei Überflutungen, dem L’aqua Alta, wie Du es nennst. Die schlimmste Sturmflut der jüngsten Zeit holte uns 2013 mit Orkan Xaver ein. Doch der Kibbelsteg hielt, was er versprach: dank seiner Doppeldeckerkonstruktion konnten ihn Polizeiautos, Rettungswagen und Feuerwehr bequem passieren.

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Hamburger Fleete & Kanäle

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