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Feine Fliesen: Wo Ihr sie findet und was Euch dort erwartet

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Teil 1 Kann man sich eine Stadt auch über Böden erschließen? Warum nicht! Auf die Idee, Fliesen zu fotografieren, brachte mich der holländische Instagram-Account „I have this thing with floors“. Seitdem senke ich den Blick – immer auf der Jagd nach Kachelmustern. Und tatsächlich: hinter vielen Böden stecken großartige Hamburger Orte, an denen man wunderbar essen, trinken oder etwas über die Stadt erfahren kann …

TEXT & FOTOS   SUSANNE KRIEG


Weinstube Zur Traube

Diese Fliesen gehören zu Hamburgs ältester Weinstube. Seit 1880 versteckt sie sich in den verwinkelten Gassen Ottensens. Ob die Fliesen noch original sind, weiß ich nicht. Die Wandvertäfelung im Innern ist es jedenfalls, genauso die Holzfiguren am Tresen, die Gründer Emil Peters eigenhändig schnitzte, darunter Bäcker, Scharfrichter und Nachtwächter. Hier gibt es außerdem edle Tropfen  – 250 Flaschen- sowie 50 offene Weine! – und leckeres Essen (der Koch ist Franzose!). Wenn es dunkel wird, leuchtet einem die Riesentraube über dem Eingang dann den Weg nach Hause.

→  Zur Traube, Karl-Theodor-Strasse 4, 22765 Hamburg-Ottensen / Karte & Website

 


Alter Elbtunnel

Wer durch den alten, 1911 eröffneten Elbtunnel läuft, sollte unbedingt auf die Fliesen und Kacheln am Eingang achten. Auch tief unter der Elbe, in der 426 Meter langen Röhre, hängt historische Keramikkunst: 14 Tierdarstellungen auf großen Wandkacheln, etwa alle sieben bis acht Meter angeordnet. Kaum zu glauben, aber was darauf zu sehen ist, gab es vor 100 Jahren in der Elbe noch zuhauf: z.B. Robben, Hummer, Aale und Störe…     

Bei den St. Pauli-Landungsbrücken 5, 20359 Hamburg / Karte & Website über den Bau des Tunnels


Der Kolonialwarenladen

Die Deichstraße, in der Ihr diesen Boden findet, gehört zu einer der ältesten Gegenden Hamburgs. Diese Fliesen betritt man, wenn man in den kleinen „Kolonialwarenladen“ geht, der hier unter Hausnummer 45 zu finden ist. In dem Laden gibt es natürlich längst keine Kolonialwaren mehr, aber man bekommt wie früher Kaffee, Schokolade und noch dazu leckeren Kuchen. Der Besitzer sammelt zudem alte Blechdosen, die er in seinen Regalen ausstellt. Und wenn man ihn ganz nett fragt, erzählt er einem vielleicht sogar etwas zu dem einen oder anderen Exemplar. In meinem vorigen Post findet ihr übrigens noch ein weiteres interessantes Gebäude aus der Deichstraße!

→  Deichstraße 45, 20459 Hamburg / Karte & Website

 


Die Bank, Brasserie & Bar


Steak Frites vom Weideochsen, Rindertatar, Saltimbocca vom Schwarzfederhuhn: das etwa erwartet denjenigen, der die Treppe empor steigt, in deren Halle man diesen schwarzweißen Mosaiktraum vorfindet. Doch, Achtung, in der „Bank“ trifft man sich nicht zum Lunch, sondern zur „Schalterpause“. Kein Wunder, dass das Etablissement in einer ehemaligen Kassenhalle in einer Kaufmannsmetropole wie Hamburg zur Institution geworden ist. Dunkelblaue Zweireiher und dezente Nadelstreifen überwiegen hier – ein herrliches Klischee! Etwas teuer, aber vielleicht mal einen Cocktail-Abstecher am Abend wert. Zum Google-Walk hier entlang!

→  Hohe Bleichen 17, 20354 Hamburg / Karte & Website


Holstenhof

Diese Fliesen sind einfach so schön, dass ich sie hier aufnehmen musste. Dabei gibt es zum Holstenhof, das Gebäude, in dem ich sie entdeckt habe, keine nennenswerten Geschichten zu erzählen – bis auf die Tatsache dass sich hier neben Büros auch ein grandioses Jugendstil-Treppenhaus mit ornamentalen Keramik befindet. Durch Zufall bin ich dort mal hinein geraten und wäre von seiner Pracht fast erschlagen worden. Als hätte man Magic Mushrooms geschluckt …

→  Kaiser-Wilhelm-Straße 79-87, 20355 Hamburg / Karte 

 


Gängeviertel

Ein von „Aktivisten erobertes Areal“ hat „DIE ZEIT“ das Gängeviertel mal umschrieben. Ich nenne es eine von unbeugsamen Idealisten besetzte Gegenwelt. Eine räudige Kunst- und Kultur-Enklave, die inmitten einer von Investoren beherrschten Innenstadt wie durch ein Wunder überlebt hat. Dieses „Shoefie“ (Shoe + Selfie) entstand in einem Hauseingang in der Caffamacherreihe.

Caffamacherreihe, 20355 Hamburg / Karte & Website

 


Hildebrand-Haus

Womöglich fällt nur wenigen, die den Neuen Wall entlanglaufen, das Hildebrand-Haus auf. Wie auch – lenken im Schaufenster doch die Brillanten und Perlen des Juweliers Brahmfeld & Gutruf ab. Begibt man sich jedoch auf die gegenüberliegende Straßenseite von Hamburgs Premium-Shoppingmeile, kann man die Art-Nouveau-Fassade bewundern und wer in das Innere des Gebäudes gelangt, gerät schließlich noch mehr ins Staunen. Die Kacheln, der feine Mosaikboden und der vor sich hin plätschernde Brunnen im Entrée sind für mich die wahren Schmuckstücke des Hauses. 

→  Neuer Wall 18, 20354 Hamburg / Karte 


Alpenkantine

Die Alpenkantine in der Osterstraße in Eimsbüttel sieht nicht nur super aus (Die Betontheke! Die Kuckucksuhren und zusammen gewürfelten Stühle!). Sie serviert auch super Kost: Echtes Skifahreressen, also alles, was deftig und für einen hohen Energieverbrauch gedacht ist. Passt aber auch wunderbar in den Magen, wenn man statt mit den Skiern mit dem Fahrrad vorgefahren kommt.

→  Osterstraße 98, 20259 Hamburg / Karte & Website


Yu Garden

Ein paar hundert Meter hinter dem Völkerkundemuseum an der Rothenbaumchaussee hat uns unsere Partnerstadt Shanghai ein Geschenk gemacht und ein Teehaus gebaut samt Seerosenteich und angrenzender Veranstaltungsstätte, die man mieten kann. Eine kleine Oase, die die Großstadt vergessen lässt. Wer hätte es gedacht? Der Ferne Osten ist in Hamburg ganz nah! 

→  Feldbrunnenstraße 67, 20148 Hamburg / Karte & Website


STAY TUNED! IM NÄCHSTEN TEIL MEINER SERIE „FEINE FLIESEN“ SIND Z.B. DIESE SCHÄTZCHEN DABEI:

 

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

    1. Hallo Florian, ich werde unter Hochdruck dran arbeiten und den Download auch für diese Geschichte die Tage zur Verfügung stellen! Versprochen! Liebe Grüße!

  1. Werte Sukrie, einige der schönen Treppenhäuser waren mir schon bekannt (und habe ich zum Teil auch fotografiert). Auf die sehenswerten Fliesen habe ich bisher noch nicht so geachtet; danke für die Fotos und Tipps. Noch ein Hinweis: das Zitat aus der „Zeit“ zum Gängeviertel lautet doch bestimmt „Ein von „Aktivisten erobertes Areal““, oder?

    1. Hallo DrMurke,
      schön, dass die Beiträge gefallen haben! Und danke für den Hinweis: Ja, es muss natürlich „Areal“ heißen… Da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen… 😉

  2. Ganz wunderbare Fotos, sowohl von den Treppenhäusern als auch von den Fliesenböden mit den jeweils passenden Schuhen dazu. Das wäre doch ein fantastischer Bildband über „verborgene Schätze“ in Hamburg – zum Verschenken für alle Hamburg-Liebhaber!

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