Tiny Houses Hamburg: Siel-Einstiegshäuschen

Hamburgs „Tiny Houses“: Diese 7 Miniatur-Häuser muss man einfach lieben

Manchmal ist die große Freiheit kleiner als gedacht – ein Phänomen, das der „Tiny-House-Trend“ feiert. Ich feiere mit und darum zeige ich Euch hier ein paar charmante kleine Gebäude, die ich auf meinen Streifzügen durch Hamburg entdeckt habe. Manchmal kaum größer als ein Schuhkarton, erzählen sie skurrile Geschichten, beherbergen Hamburgs kleinste Restaurants oder putzige Mini-Shops und liefern 7 x den Beweis: The winner is winzig!

TEXT & FOTOS: FRAU ELBVILLE aka SUSANNE KRIEG

Foto: Frau Elbville

„Döns“: Das Wartehaus am Hafen

„Döns“ kommt aus dem Dänischen und bedeutet „beheizbarer Aufenthaltsraum“, die „Döns“ ist auch so etwas wie die Gute Stube eines Bauernhauses. Das pittoreske, grüne Träumchen mit Schindeldach und weißen Sprossenfenstern ist zwar keine Bauernstube, dafür steht es am Anleger der HVV-Fähre 62 im Museumshafen von Neumühlen. Es ist ein Nachbau der historischen Wartehäuschen, wie sie um 1900 überall im Hamburger Hafen als Wetterschutz standen. Man kann die grüne Hütte übrigens für Feiern mit immerhin bis zu vierzig Personen mieten. Und, ja, irgendwann werde ich dort auch mal eine Zwergen-Party steigen lassen.

Ponton, Neumühlen, Google Maps


Foto: Frau Elbville

Das Haus zur Unterwelt

Vielleicht hat sich der eine oder andere auch schon mal gefragt, was sich hinter dem Mini-Haus unten am Baumwall verbirgt. Es ist – Trommelwirbel – der Einstieg zur Unterwelt. Gebaut wurde es 1904 als private Umkleidekabine für Kaiser Wilhelm. Hier sollte er sich einen weißen Kittel überwerfen. Über eine Treppe im Innern gelangt man an einen unterirdischen Steg, von dem aus der Kaiser per Boot das Sielsystem der Stadt besichtigen wollte. Die Hamburger Kanalisation war damals nämlich die modernste in ganz Europa. Ob Wilhelm die Bootstour tatsächlich angetreten ist, weiß man heute nicht mehr. Einmal im Jahr, zum Tag des offenen Denkmals, könnt Ihr das kleine Gebäude unter dem U-Bahn-Viadukt auch von innen besichtigen.

— Vorsetzen, Google Maps


Foto: Frau Elbville

Schräger als der Turm von Pisa

Wer dieses wahrhaft schräge Haus betritt, glaubt, er sei seekrank. Böden und Tische haben Schräglage (manchmal rutscht einem das Glas davon) und auch die Treppe ist schief und krumm. Der Grund: Mehrere Hochwasser haben dem Gebäude zwischen einer Eisenbahnbrücke und einem Güterschuppen im Oberhafenquartier eine Neigung von 8,7° verpasst – was es sogar schiefer macht als den Turm von Pisa. Seit 1925 wird hier Essen serviert: Früher, als die Oberhafen-Kantine noch Kaffeeklappe war, gab es hier Kaffee, Buletten und Schnaps für die Hafenarbeiter. Heute bekommt man hervorragende Slowfood-Küche, u.a. auch Labskaus und Hamburger. Einer Theorie nach wurde der Hamburger übrigens in Hamburg erfunden, von wo ihn Einwanderer im 19. Jahrhundert nach New York gebracht haben sollen.

— Stockmeyerstraße 39, Website, Google Maps


Foto: Frau Elbville

Das kleinste Restaurant der Welt

Knapp eine Stunde benötigt der „Stint-Express“, wie sich der HVV-Bus 120 nennt, um vom Hauptbahnhof nach Kirchwerder zu gelangen, in den äußersten Südosten von Hamburg. Hier spuckt er Euch direkt vor dem Zollenspieker Fährhaus aus, einem alten Restaurant, in dem Ihr zur Saison Stint serviert bekommt (der Stint ist ein in der Elbe laichender kleiner Meerfisch). Mit etwas Glück ergattert Ihr dabei vielleicht sogar den Tisch im Pegelhäuschen, von dem es heißt, es sei das kleinste Restaurant der Welt – als Mini-Dependance des Zollenspieker Fährhauses thront es auf Stelzen über dem Wasser und ist der perfekte Ort für ein Dinner for Two!

— Altes Zollenspieker Pegelhäuschen,Website, Google Maps


Foto: Frau Elbville

Minimalismus ganz groß

In Europas größtem japanischen Garten mitten in Hamburgs grüner Lunge „Planten un Blomen“ findet sich eine fernöstliche Ruheoase en miniature: dort ragt nämlich ein kleines, angenehm spartanisches Teehaus in einen verwunschenen Koi-See. Im Sommer kann man hier an Teezeremonien teilnehmen sowie Workshops für Kalligrafie oder Taiko Drums besuchen und alles über japanische Parfüm-Zeremonien lernen. Hier findet Ihr ein paar mehr Infos.

— Marseille Str. 7, Google Maps


Der Laden Winkel van Sinkel vor den Grindelhochhäusern, Hamburg

Die grünste Tanke der Stadt

Ein winziger Stadtdschungel hinter Glass: Aus dieser ehemaligen, denkmalgeschützten 50er-Jahre-Tankstelle direkt vor den Grindelhochhäusern von Harvestehude ist eine „Plant Station“ geworden. Hier rankt sich Grünes in Töpfen und an Haken, auf den Fensterbänken stehen Kakteen und Sukkulenten. Nach einem Shop in der Wexstraße (Neustadt) ist dies die zweite Filiale des Concept Stores Winkel van Sinkel, in dem man neben Pflanzen auch Papeterie, Lederwaren und Keramik kaufen kann. Der besondere Clou: zwei Zapfsäulen für Elektroautos machen den Ort in doppelter Hinsicht zur grünsten Tanke der Stadt.

— Grindelberg 62, Website, Google Maps


Foto: Frau Elbville aka Susanne Krieg

Schloss en miniature

Das Fleetschlösschen ist ein Baby des Fischrestaurants Daniel Wischer. Doch das war es nicht schon immer. Auch bei diesem fast schon putzigen Miniatur-Schloss kommt Kaiser Wilhelm ins Spiel: Einst soll er von den rückwärtigen Treppen zum Fleet eine Dampfbarkasse bestiegen haben, um 1885 den ersten Bauabschnitt der Speicherstadt einzuweihen. Später wurde es als Zollhaus genutzt, dann als Feuerwache, in den 1960ern als Toilettenhaus und schließlich schliefen einige Jahre Obdachlose darin. Dazwischen übernahm das Gebäude immer wieder Statistenrollen in Filmen: etwa 1961 in dem Edgar-Wallace-Film „Die toten Augen von London“ oder 1985 in „Target“ mit Gene Hackman und Matt Dillon. Der Ort gehört übrigens auch zu einem der 20 Fotospots, an die ich Euch in meiner im Shop erhältlichen Foto-Safari „Speicherstadt & Kontorhäuser“ führe.

–Brooktorkai 17, Website, Google Maps

Auf den Spuren von Frau Elbvilles Fotos die Stadt entdecken: