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Moin! In diesem Lexikon für Hamburger Spezialwissen erkläre ich Euch wichtige Begriffe und Orte und erzähle lokale Anekdoten, mit denen Ihr beim nächsten Smalltalk ein wenig „klookschieten“ könnt. Mehr Hamburg: weiter zum Blog!

S WIE SIEL-EINSTIEGSHÄUSCHEN

Siel-Einstieghäuschen Hamburg (Vorsetzen, Baumwall) am Hafen

Foto: Susanne Krieg aka Frau Elbville

Das Siel-Einstiegshäuschen: Tor zur Unterwelt

Das Siel-Einstiegshäuschen gehört für mich zu den skurrilsten Orten Hamburgs. Leider kann man es nur selten besichtigen, z.B. am Tag des offenen Denkmals. Dann müssen Besucher jedoch in Kauf nehmen, eine Stunde lang Schlange zu stehen – der Grund, weshalb ich es bisher noch nicht hinter seine Gemäuer geschafft habe. Dabei hat mich die Geschichte hinter diesem Bau an der U-Bahn-Station Baumwall unten am Hafen von jeher fasziniert. Und wahrscheinlich ist sie auch spannender, als das Gebäude selbst…

Als Kaiser Wilhelm eine Bootsfahrt durch Hamburgs futuristische Kanalwelt plant…

Also, kurbeln wird die Zeitmaschine zurück ins Jahr 1904. Das Hamburger Sielnetz (Siel = Hamburgisch für Abwasserkanal) ist die modernste Kanalisation des europäischen Kontinents und auf eine Länge von 500 Kilometern angewachsen. Gerade ist das unter dem Baumwall verlaufende Kuhmühlenstammsiel fertiggestellt worden, das die „Vorstädte“ Eppendorf und Uhlenhorst (damals noch außerhalb der Stadt!) entwässern soll. Endlich haben der Schiet und Dreck in den Straßen ein Ende – eine technische Sensation, die selbst Kaiser Wilhelm neugierig macht.

1879: Blick ins älteste innerstädtische Sielsystem des europäischen Kontinents (Quelle: CC, Wikipedia)

Des Kaisers Kittelschürze

Wilhelm kündigt seinen Besuch in Hamburg an und plant dabei, eine Bootstour durch die futuristische Kanalwelt tief unter der Erde zu machen. Aber weil es dort unten nicht nur höllisch stinkt, sondern auch schmutzig ist und sich der Kaiser für das Abenteuer eine weiße Kittelschürze überstreifen muss, baut man ihm kurzerhand eine eigene Umkleidekabine unten am Hafen – eben jenes „Siel-Einstiegshaus“, von dem hier die Rede ist.

Hamburgs „Wasserkunst“ macht dem Schiet und Dreck der Straßen ein Ende

Leider ist bis heute nicht ganz klar, ob die kaiserliche Bootstour tatsächlich stattgefunden hat, denn im Nachhinein findet sie nirgendwo mehr Erwähnung. Das Haus geriet indessen in Vergessenheit. Erst 2012 wurde es wiederentdeckt und von Hamburg Wasser für 28.000 Euro restauriert. Übrigens gibt es auch ein Museum, das sich der „Wasserkunst“, also dem damals sehr fortschrittlichen Abwassersystem der Stadt Hamburg widmet, für das die Hamburger sich extra die Hilfe des englischen Ingenieurs William Lindley geholt hatten. Lindley ist als kleines Denkmal auch neben dem Siel-Einstiegshäuschen zu sehen. Weitere Informationen zum Museum „Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe“ (eines meiner Lieblingsmuseen) findet Ihr hier.

 

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