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Herbertstrasse: St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Und die Welt ist bunt! Legendäre St. Pauli Kneipen und ihre Geschichten

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Die meisten kennen St. Pauli Kneipen und den Reeperbahn-Kiez nur während der Nacht. Der eine oder andere vielleicht noch, wenn die Sonne gerade aufgeht und die ersten Vögel zwitschern. Doch dann haben akute Müdigkeit oder ein  beginnender Kater meist zur Folge, dass man sich lieber nach einem Taxi umschaut statt in der Gegend. Trotz seiner Schmuddelecken entwickelt der Kiez jedoch gerade im Tageslicht einen ganz eigenen Charme. Vor allem, was die Fronten einiger legendärer St. Pauli Kneipen und Bars angeht…

TEXT & FOTOS: SUSANNE KRIEG

→ BLOG IN ENGLISCH


Reeperbahn: Zum Silbersack (St. Pauli, Hamburg) auf Hamburg Companion

Zum Silbersack

Erna und Friedrich Thomson haben diese kultige St. Pauli Kneipe in den Nachkriegsjahren eigenhändig aus dem Boden gestampft. Die nötigen Bretter hatte das Ehepaar einem Förster abgekauft – für einen Eimer Honig und ein Fahrrad. Erst später wurde der Silbersack mit seinen berühmten Fliesen ummantelt. Friedrich starb 1958 an Krebs. Doch aufhören kam für Erna, dreifache Mutter, nicht in die Tüte. Bis zu ihrem Tod 2012 stand sie hinter der Theke. Der neue Chef heißt Dominik. Doch zum Glück hat er das alte Mobiliar, die karierten Vorhänge und die Original-Jukebox von Erna und Friedrich behalten. In dieser Institution auf dem Kiez steht zwar die Zeit still – doch die Lust der Gäste, in einer typischen St. Pauli Nacht auf den Putz zu hauen, ist die alte geblieben. 

Silbersackstraße 9,20359 Hamburg / Mo-So 15:00 – 3:00 Uhr /map 


Onkel Otto: St Pauli, Reeperbahn. Hamburg Companion

Onkel Otto

Ein bißchen ranzig von innen wie von außen. Wandkunst aus der Sprühdose, Punks, Autonome und ein paar Normalos, Bier zu sehr humanen Preisen: Onkel Otto heißt seine Gäste in der Bernhard-Nocht-Straße willkommen, direkt an der Balduintreppe hinunter zur Hafenstraße, in einem der berüchtigten Häuser, die seit den Achtzigern besetzt werden. Zu harten Punk-Klängen kann man hier am Kickertisch gegeneinander antreten. Oder in den guten, alten Zeiten schwelgen, als die Leute das Wort „Gentrifizierung“ noch für eine seltene Krankheit hielten.

→  Bernhard-Nocht-Straße 16 / map 


Albers Eck: St Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Albers-Eck

So etwas wie der Ballermann – nur eben nicht auf Mallorca, sondern im Herzen von St. Pauli, an einem Ort, der mal Wilhelmplatz hieß und 1964, zu Ehren des wohl berühmtesten Schauspielers der Stadt in „Hans-Albers-Platz“ umbenannt wurde. Früher hatten hier Zuhälter ihre Lokale. Heute finden sich ringsum typische St. Pauli Kneipen wie eben das Albers-Eck eine ist. Und diese ist vor allem laut, feucht, eng und fröhlich. Ein Käfig voller Partylöwen. Wer sich nicht abschrecken lässt, kämpft sich zum oberen Tresen vor, dem Bug eines Hamburger Schleppers. Darum herrscht hier auch permanent Abschleppgefahr! Bis zum Morgengrauen.

→ Hans-Albers-Platz 20, 20359 Hamburg/  Do – Sa 21:00 – 07:00 Uhr / map


Purgatory: Club, St Pauli, Reeperbahn (ELbvilles Hamburg Companion)

Purgatory

Diese in den 90ern gegründete Electro-Höhle hat sich Veränderungen konsequent verweigert. Immer noch House-Musik für die dunkle Seele, auch wenn der Schriftzug draußen an Heavy Metal erinnert. Innen so klein, heiß und plüschig wie eh und je. Das Publikum: leicht bizarr, aber liebenswürdig. Für manch einen junggebliebenen Technonauten Hamburgs ist diese St. Pauli Kneipe (oder doch lieber ein Club?) auf der Südseite der Reeperbahn seit Jahrzehnten ein zweites Wohnzimmer.

→  Friedrichstraße 8, 20359 Hamburg / Auf der Facebook-Seite steht: „durchgehend geöffnet“ / map 


Rutsche: St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Rutsche

Feuerrote Fliesen, darüber geraffte Tüllgardinen. Und die Frage: Warum eigentlich „Rutsche“? Die Betreiber dieser sogenannten „Spasskneipe“ unweit des Purgatorys in der Friedrichstraße  erklären auf der dazugehörigen Website, der Name habe seinen Ursprung in dem Spruch „Gib‘ mir mal ’ne Rutsche!“ Doch gehört habe ich den noch nie. Fun Fact: im Jahr 2002 soll der „Verbotene Liebe“-Schauspieler Carsten Spengemann  hinter dem Tresen dieser St. Pauli Kneipe gearbeitet haben. Da fällt einem doch glatt noch eine weitere Frage ein: Was, bitte, macht eigentlich Carsten Spengemann heute?

→  Friedrichstraße 22, 20357 Hamburg /Fr – Sa 19:30 – open end / map


Kleine Haie: Querstrasse, St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Kleine Haie Grosse Fische

Ein Kiez-Imbiss zum Grundlage schaffen oder Kater vergraulen. Je nachdem. Hier gibt es Fischbrötchen, Rollmops, anständigen Kaffee, Bier, Wein, Schnaps. Den Tresen zimmerte der Besitzer des Ladens, ein Schlosser aus dem Freihafen, aus Türen des ehemaligen Erotic Art Museums, die Stehtische aus Brettern der alten Gegengeraden am Millerntor-Stadion. Neben den Kiezgängern, die am Wochenende durch die kleine Querstraße ziehen, in der sich der Laden befindet, stärken sich hier des nachts auch gern mal die Damen von der Straße. 

→  Querstraße 4, 20359 Hamburg  / Di – Do 18:00 bis 24:00 Uhr; Fr – Sa 14:00 bis 05:00 Uhr / map 


Zum Goldenen Handschuh: Kneipe, St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Zum Goldenen Handschuh

Seit 1962 hat der Handschuh, der tagsüber – zumindest oben drüber – wie ein Pariser Café wirkt, rund um die Uhr geöffnet, 365 Tage im Jahr. Hier lernte der wohl berühmteste Stammgast, der vierfache Frauenmörder Fritz Honka, in den 60ern und 70ern seine späteren Opfer kennen. Vor rund einem Jahr veröffentlichte Heinz Strunk einen Roman über die Honka-Stube. Doch trotz der Aufmerksamkeit hat sich im Handschuh fast nix verändert. „Ficken“ und „Lecken“ kosten immer noch 1,90 Euro, am Wochenende kommt das Partyvolk, unter der Woche die Stammgäste. Prostituierte, Zuhälter, Millionäre, Arbeitslose. Nun will Fatih Akin den Strunk-Roman rund um diese St. Pauli Kneipe verfilmen. Ob wohl nach Kinostart immer noch alles beim Alten ist?

→Hamburger Berg 2, 20359 Hamburg / durchgehend geöffnet / map


Reotclub: Kneipe, St. Pauli, Elbville, Kiez (Hamburg Companion)

Reitclub

Den mit Abstand besten Namen trägt, wie ich finde, diese klassische Kiez-Kaschemme in der Gerhardstraße um die Ecke vom Hans-Albers-Platz. Über den Reitclub erzählt man sich, der Wirt habe schon vor Jahren den Schlüssel zur Eingangstür verloren. Statt ein neues Schloss einzubauen habe er einfach beschlossen, seinen Laden rund um die Uhr geöffnet zu lassen. Bis heute soll es keine neuen Türschlüssel zu dieser St. Pauli Kneipe geben.

→ Gerhardstraße, 20359 Hamburg / map 


Prinzenbar / Docks: Reeperbahn, Kiez, St. Pauli (ELbville Hamburg Companion)

Prinzenbar

Die Prinzenbar befindet sich an der Kastanienallee auf der Rückseite der Konzerthalle „Docks“. Außen gibt sich die kleine Schwester des großen Docks modern, innen jedoch ist sie verziert mit mächtigen Jugendstilornamenten, Original-Putten und Kronleuchtern – sie lassen kaum erahnen, dass hier regelmäßig wilde Konzerte und Diskoabende von Indie bis Elektro stattfinden. 

→  Kastanienallee 20, 20359 Hamburg / map 

 

UND NUN ZU EUCH! KENNT IHR NOCH ANDERE ST. PAULI KNEIPEN LINKS UND RECHTS DER REEPERBAHN, DIE IHR SPANNEND FINDET? SCHREIBT MIR GERN EINEN KOMMENTAR!


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