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Und Die Welt Ist Bunt! Legendäre St. Pauli Kneipen & Ihre Geschichten

Und die Welt ist bunt! Legendäre St. Pauli Kneipen & ihre Geschichten

Die meisten Menschen kennen St. Paulis Kneipen nur bei Nacht. Doch gerade im Tageslicht entwickeln legendäre Kiez-Spelunken wie die Ritze oder das Albers-Eck ihren ganz eigenen Charme, während sich hinter ihren Türen so manche skurrile Geschichte verbirgt …

TEXT & FOTOS: SUSANNE KRIEG


Legendäre Kiez Kneipe St. Pauli: Zur Ritze Reeperbahn / Hamburg

Zur Ritze

In einem Hof an der Reeperbahn steht die Ritze. 1974 richtete sie Hanne Kleine, Boxer und Profisportler aus der DDR, aus einem ehemaligen Pissoir des angrenzenden Bordells her – was sie heute wohl zum meist fotografierten stillen Örtchen Deutschlands macht. 1981 ließ hier „Wiener Peter“, ein österreichischer Zuhälter, „Chinesen-Fritz“ vom Barhocker schießen – der Anfang eines erbitterten Bandenkrieges. Im Box-Club im Keller trainierten schon die Klitschkos. Und oben am Tresen stehen an manchen Tagen 150 Jahre Knast beieinander, um Hacker-Pschorr, „Himmel der Bayern“ zu trinken. Oben saufen, unten kloppen – so geht St. Pauli. Hier noch eine Vintage-Doku zur Ritze und Hanne Kleine von 1982 (Kreisch! Der Sprecher – auch legendär!):

— Zur Ritze, Reeperbahn 140


Zum Silbersack

Erna und Friedrich Thomson haben diese kultige St. Pauli Kneipe in den Nachkriegsjahren eigenhändig aus dem Boden gestampft. Die nötigen Bretter hatte das Ehepaar einem Förster abgekauft – für einen Eimer Honig und ein Fahrrad. Erst später wurde der Silbersack mit seinen berühmten Fliesen ummantelt. Friedrich starb 1958 an Krebs. Doch aufhören kam für Erna, dreifache Mutter, nicht in die Tüte. Bis zu ihrem Tod 2012 stand sie hinter der Theke – da war sie 88 und ich kann mich tatsächlich noch gut an sie erinnern, eine richtige Dame war das! Nach Ernas Tod stand der Silbersack erst mal vor dem Aus. Doch Stammgäste, Anwohner und Kaufleute gründeten die „Freunde des Silbersack GmbH & Co. KG“ und retteten die Kneipe. Zum Glück gibt es heute immer noch das alte Mobiliar, die karierten Vorhänge und die Original-Jukebox… In dieser Institution auf dem Kiez steht die Zeit immer noch angenehm still – und auch die Feierlaune der sehr bunt gemischten Gäste scheint seit der Nachkriegszeit ungebremst.

→ Silbersackstraße 9,20359 Hamburg I Mo-So 15:00 – 3:00 Uhr I map 


Onkel Otto: St Pauli, Reeperbahn. Hamburg Companion

Onkel Otto

Ein bißchen ranzig von innen wie von außen. Wandkunst aus der Sprühdose, Punks, Autonome und ein paar Normalos, Bier zu sehr humanen Preisen: Onkel Otto heißt seine Gäste in der Bernhard-Nocht-Straße willkommen, direkt an der Balduintreppe hinunter zur Hafenstraße, in einem der berüchtigten Häuser, die seit den Achtzigern besetzt werden. Zu harten Punk-Klängen kann man hier am Kickertisch gegeneinander antreten. Oder in den guten, alten Zeiten schwelgen, als die Leute das Wort „Gentrifizierung“ noch für eine seltene Krankheit hielten.

→  Bernhard-Nocht-Straße 16 I map 

 

 

Albers Eck: St Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Albers-Eck

So etwas wie der Ballermann – nur eben nicht auf Mallorca, sondern im Herzen von St. Pauli, an einem Ort, der mal Wilhelmplatz hieß und 1964, zu Ehren des wohl berühmtesten Schauspielers der Stadt in „Hans-Albers-Platz“ umbenannt wurde. Früher hatten hier Zuhälter ihre Lokale. Heute finden sich ringsum typische St. Pauli Kneipen wie eben das Albers-Eck eine ist. Und diese ist vor allem laut, feucht, eng und fröhlich. Ein Käfig voller Partylöwen.

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Wer sich nicht abschrecken lässt, kämpft sich zum oberen Tresen vor, dem Bug eines Hamburger Schleppers. Darum herrscht hier auch permanent Abschleppgefahr! Bis zum Morgengrauen.

→ Hans-Albers-Platz 20, 20359 Hamburg I Do – Sa 21:00 – 07:00 Uhr I map


Rutsche: St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Rutsche

Feuerrote Fliesen, darüber geraffte Tüllgardinen. Und die Frage: Warum eigentlich „Rutsche“? Die Betreiber dieser sogenannten „Spasskneipe“ unweit des Purgatorys in der Friedrichstraße  erklären auf der dazugehörigen Website, der Name habe seinen Ursprung in dem Spruch „Gib‘ mir mal ’ne Rutsche!“ Doch gehört habe ich den noch nie. Fun Fact: im Jahr 2002 soll der „Verbotene Liebe“-Schauspieler Carsten Spengemann  hinter dem Tresen dieser St. Pauli Kneipe gearbeitet haben. Da fällt einem doch glatt noch eine weitere Frage ein: Was, bitte, macht eigentlich Carsten Spengemann heute?

→  Friedrichstraße 22, 20357 Hamburg I Fr – Sa 19:30 – open end I map


Kleine Haie: Querstrasse, St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Kleine Haie Grosse Fische

Ein Kiez-Imbiss zum Grundlage schaffen oder Kater vergraulen. Je nachdem. Hier gibt es Fischbrötchen, Rollmops, anständigen Kaffee, Bier, Wein, Schnaps. Den Tresen zimmerte der Besitzer des Ladens, ein Schlosser aus dem Freihafen, aus Türen des ehemaligen Erotic Art Museums, die Stehtische aus Brettern der alten Gegengeraden am Millerntor-Stadion. Neben den Kiezgängern, die am Wochenende durch die kleine Querstraße ziehen, in der sich der Laden befindet, stärken sich hier des nachts auch gern mal die Damen von der Straße. 

→  Querstraße 4, 20359 Hamburg  I Di – Do 18:00 bis 24:00 Uhr; Fr – Sa 14:00 bis 05:00 Uhr I map 


Zum Goldenen Handschuh: Kneipe, St. Pauli, Reeperbahn (Elbvilles Hamburg Companion)

Zum Goldenen Handschuh

Seit 1962 hat der Handschuh, der tagsüber – zumindest oben drüber – wie ein Pariser Café wirkt, rund um die Uhr geöffnet, 365 Tage im Jahr. Hier lernte der wohl berühmteste Stammgast, der vierfache Frauenmörder Fritz Honka, in den 60ern und 70ern seine späteren Opfer kennen. Vor rund einem Jahr veröffentlichte Heinz Strunk einen Roman über die Honka-Stube. Doch trotz der Aufmerksamkeit hat sich im Handschuh fast nix verändert. „Ficken“ und „Lecken“ kosten immer noch 1,90 Euro, am Wochenende kommt das Partyvolk, unter der Woche die Stammgäste. Prostituierte, Zuhälter, Millionäre, Arbeitslose. 

→ Hamburger Berg 2, 20359 Hamburg I durchgehend geöffnet I map


Reotclub: Kneipe, St. Pauli, Elbville, Kiez (Hamburg Companion)

Reitclub

Den mit Abstand besten Namen trägt, wie ich finde, diese klassische Kiez-Kaschemme in der Gerhardstraße um die Ecke vom Hans-Albers-Platz. Über den Reitclub erzählt man sich, der Wirt habe schon vor Jahren den Schlüssel zur Eingangstür verloren. Statt ein neues Schloss einzubauen habe er einfach beschlossen, seinen Laden rund um die Uhr geöffnet zu lassen. Bis heute soll es keine neuen Türschlüssel zu dieser St. Pauli Kneipe geben.

→ Gerhardstraße, 20359 Hamburg I map 


Prinzenbar / Docks: Reeperbahn, Kiez, St. Pauli (ELbville Hamburg Companion)

Prinzenbar

Die Prinzenbar befindet sich an der Kastanienallee auf der Rückseite der Konzerthalle „Docks“. Außen gibt sich die kleine Schwester des großen Docks modern, innen jedoch ist sie verziert mit mächtigen Jugendstilornamenten, Original-Putten und Kronleuchtern – sie lassen kaum erahnen, dass hier regelmäßig wilde Konzerte und Diskoabende von Indie bis Elektro stattfinden. 

→  Kastanienallee 20, 20359 Hamburg I map

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