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Treppenhäuser Hamburg: Auf der Jagd nach fotogenen Spiralen

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Treppenhäuser sind die Visitenkarte eines Gebäudes. Das Tolle: Man geht einfach hinein und schaut sie sich an. Doch wo in Hamburg findet man die schönsten unter ihnen – noch dazu spiralförmige? In diesem kleinen Guide verrate ich Euch neun großartige Locations. Warum also nicht in der Mittagspause oder beim nächsten Hamburg-Besuch einfach mal aufsteigen?

TEXT & FOTOS: SUSANNE KRIEG

→ IN ENGLISH


Sprinkenhof

Spiralförmiges Treppe im Sprinkenhof: Treppenhäuser Hamburg

Yoga fürs Auge: Durch neun Stockwerke windet sich diese wunderschöne, glühende Schnecke aus Geländer und Tonfliesen. Die Treppe gehört zum größten Bürokomplex, den Hamburg in den 1920er Jahren zu bieten hatte. Sprinkenhof nennt er sich und war damals eines der ersten Häuser, in dem mehrere Firmen unter einem Dach Büros anmieten konnten (übrigens eine Idee mit amerikanischen Wurzeln). Der Sprinkenhof liegt in unmittelbarer Nähe zum Chilehaus, dem Herzstück des sogenannten Kontorhausviertels, das Hamburgs jüngster Beitrag zur Liste des UNESCO Weltkulturerbes ist. Noch heute befinden sich im Sprinkenhof hauptsächlich Büros. Und darum ist dieses Gebäude  in der Regel während der Woche frei zugänglich. 

→  Burchardstraße 8, Karte / Wikipedia


Feldstraßenbunker

Spiralförmige Treppe: Feldstraßenbunker, Treppenhäuser Hamburg

Die Hamburger Architektur hat auch brutale Seiten. Nehmen wir etwa den Feldstraßenbunker am Heiligengeistfeld: purer Brutalismus! Doch in seinem Innern verbergen sich filigrane, fast zerbrechlich wirkende Wendeltreppen. In dem im 2. Weltkrieg als Flakturm errichteten Betonmonster findet man heute aber auch noch andere tolle Dinge: z.B. den Club Übel & Gefährlich oder den Web-Radiosender Byte FM. Demnächst will ein Investor den Bunker von 40 auf 60 Meter aufstocken. Er plant einen Urwald auf dem Dach, Sporthallen, Gästehäuser – na, wenn das mal nicht an Größenwahn grenzt…

→  Feldstraße 6, Karte / NDR-Beitrag über Hamburgs Bunker


Versmannhaus 

Spiralförmige grüne Treppe: Versmannhaus, Treppenhäuser Hamburg

Grüner wird’s nicht. Zumindest nicht im Versmannhaus. Ihr findet das Kontorhaus zwischen der Mönckebergstraße und der Knochenhauertwiete (Ach, wie ich diesen gruseligen Straßennamen liebe! Ich bin froh, ihn hier mal erwähnen zu können!). Das 1912 fertiggestellte Gebäude ist nach einem Hamburger Bürgermeister benannt. Etwas rätselhaft, aber niedlich: das „Seepferdchen“ im Bodenmosaik.

 Mönckebergstr 29, Karte / NDR-Beitrag über Hamburgs Bunker


Detjenhaus 

Spiralförmige Treppe: Detjenhaus, Treppenhäuser HAmburg

Wie ein Milchkaffee nach dem Verrühren… Dieses Treppenhaus gehört zum Detjenhaus. Das Büro-Gebäude aus der Nachkriegszeit befindet sich am Kajen, mit bester Sicht auf den Hafen und die Speicherstadt. Von außen wirkt das Detjenhaus schlicht, doch innen punktet es mit seinem schwungvollen Minimalismus.

→  Kajen 6-8, Karte / NDR-Beitrag über Hamburgs Bunker


Ballin Haus (Meßberg-Hof) 

Spiralförmige Treppe: Ballin Haus, Treppenhäuser Hamburg

Diese Treppe erinnert mich an einen Nautilus, Symbol für perfekte Proportion. Weniger schön: die Geschichte hinter dem Namen des Gebäudes, in dem sie sich befindet. Zunächst hieß es Ballin-Haus, nach dem Hamburger Reeder Albert Ballin. Doch weil er jüdischer Abstammung war, benannten die Nazis das Kontorhaus 1938 in Meßberg-Hof um. Eine böse Ironie des Schicksals wollte es, dass sich ausgerechnet die Firma Tesch & Stabenow darin niederließ. Sie verkaufte Zyklon B nach Auschwitz. Heute hat hier die Bauer Media Group ihren Sitz. Dass diese dem Gebäude nicht längst seinen alten Namen wieder gegeben hat, finde ich mehr als fragwürdig …  

→  Burchardstraße 11, Karte / Wikipedia


Zürichhaus 

Spiralförmige Treppe: Zürichhaus, Treppenhäuser Hamburg

Diese lichte Spirale schlängelt sich durch einen Turm im Zürichhaus. Es ist 1989-92 nach Plänen der Architekten Gerkan, Marg und Partner entstanden. Weitere Besonderheit: im Treppenhaus schwingt zudem ein Foucaultsches Pendel, einigen vielleicht auch bekannt aus Umberto Eccos gleichnamigen Roman. Zu erreichen ist die Treppe nur über die angrenzende Haupthalle des Gebäudes mit Glasdach und Glasfront, Wasserbecken und Bäumen, die ebenfalls sehenswert ist. Das Treppenhaus befindet sich rechts von der Eingangshalle.

→  Domstraße, 20095 Hamburg, Karte / Wikipedia


Esplanadebau 

Spiralförmige Treppe: Esplanadebau, Treppenhäuser Hamburg

Fast könnte man den Eingang zum Esplanadebau übersehen. Er liegt eingequetscht zwischen dem Hofbräuhaus und Baseler Hof. Als der Automobilfabrikant Heinrich Kleyer das Gebäude 1915 errichtet, ist es als repräsentative Zweigstelle der Frankfurter Adlerwerke gedacht. Damals war jedes fünfte Auto auf deutschen Straßen ein „Adler“, wie sich Kleyers Fahrzeuge nannten. Die Empfangshalle aus Marmor und das Treppenhaus mit seiner Mischung aus Art Déco und Jugendstil sind atemberaubend schön. Mehr zur Geschichte des Hauses findet Ihr in dieser Festschrift zum 100. Geburtstag. 

→  Esplanade 6, Karte / Wikipedia


Dermatolgikum

Spiralförmige Treppe: Dermatologikum, Treppenhäuser Hamburg

Schnecke in schwarz-weiß. Wo entdeckt? Im Seitenturm der alten Oberpostdirektion am Stephansplatz. Die Post ist inzwischen ausgezogen. Dafür hat dort das mondäne Dermatologikum seinen Sitz. Es ist Hamburgs wohl bekannteste private Hautklinik. Wer im Innern einmal quer durch das Hauptgebäude läuft, vorbei an Apotheke und Café, steht außerdem in einem wunderschönen, mit Glas überdachten Hof, umgeben von kunstvollen Backsteinmauern. Ich liebe die wunderschönen Klinkergebäude, die es in Hamburg überall gibt. Deswegen fotografiere ich auch immer mal wieder herausragende Beispiele für Backsteinarchitektur. Ein paar Besichtigungstipps bekommt Ihr übrigens hier.

→  Stephansplatz 5Karte / Wikipedia


Brahms Kontor

Spiralförmige Trepp: Brahms Kontor, Treppenhäuser Hamburg

Art déco Leuchten, farbenfrohe Kacheln sowie das beeindruckende Treppenhausauge machen das Brahms Kontor zu einem Beispiel für herausragende Architektur der Weimarer Republik. Dabei bekämpfte der Bauträger, der „Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband“ (DHV), allerdings die kulturellen und politischen Ziele jener Ära der deutschen Geschichte, die 1933 zu Ende ging. Nach dem Krieg nutzte die britische Besatzungsmacht das Gebäude gegenüber der Laieszhalle. Später zieht dort das Hamburger Polizeipräsidium ein. Heute verwaltet der Gewerkschaftszusammenschluss „ver.di“ das Brahms Kontor. Mit dem Namensgeber Johannes Brahms hat der Bürokomplex herzlich wenig zu tun. 

→  Johannes-Brahms-Platz 1, Karte / Wikipedia


Diesen Mini-Guide könnt Ihr auf Eurer Smartphone herunterladen und vor Ort benutzen:

         


TIPP 

Ein Blick auf die Google Karte unten zeigt: Mein Guide „Treppenhäuser Hamburg“ stellt Locations vor, die gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Eigentlich kann man problemlos alle nacheinander an einem Tag abklappern! Doch Achtung: Am Wochenende könnte es schwierig werden, Zutritt zu einigen der Bürohäuser zu bekommen. Deswegen sollte man sich diese Tour eher wochentags vornehmen! Und: Fotoapparat nicht vergessen!

 


 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Joggen im Regen ist doof. Warum nicht Susanne Kriegs wundervolle Recherche über die schönsten Treppenhäuser in Hamburg zum Indoor-Drehwurm-Jogging nutzen. Bereits beim Anschauen der tollen Fotos lacht doch der Kreislauf.

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