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Hamburger Villen: Wer Sie Baute Und Wer Heute In Ihnen Lebt

Hamburger Villen mit Geschichte (Teil II): Wo Ihr die Luxus-Häuser reicher Hanseaten findet

Das Housespotting in Hamburgs Villengegenden geht weiter! Mit von der Partie sind dieses Mal das Landhaus eines Zuckerbarons, die ehemalige Villa Karl Lagerfelds, die Anwesen der Bankiersfamilie Warburg, ein Halbmondhaus an der Elbchaussee, ein klassizistisches Elbschlösschen und ein königlich-dänischer Landbaumeister, der vor über 200 Jahren unter Hamburgs reichen Hanseaten mit seinen Wohntempeln architektonische Trends setzte …

TEXT & FOTOS   SUSANNE KRIEG


1. Das Goßlerhaus

Goßlerhaus Blankenese

Neben der S-Bahnstation von Blankenese thront ein weißer Tempel auf einem Hügel. Hier ist seine Geschichte: 1790 kauft der englische Kaufmann und „Courtmaster“ John Blacker ein kahles Stück Land auf dem Krähenberg in dem damals noch dänischen Blankenese.  Er legt einen englischen Landschaftsgarten an. Auf einer Anhöhe baut ihm der spätere dänische Oberbaumeister Christian Frederik Hansen ein eingeschossiges Haus mit dorischen Säulen.

Ein neuer Bewohner, der sich mit Zucker verzockt

Hundert Jahre später zieht ein neuer Besitzer ein, dem die Villa heute ihren Namen verdankt: John Henry Gossler. Der Kaufmann mit amerikanischer Mutter hat lange für die Hamburger Firma seines Vaters in Bosten und New York gelebt. In der Neuen Welt verzockt sich der Sohn jedoch mit Zucker. Er wird enterbt, muss nach Hamburg zurück. Geld scheint nach dem Skandal dennoch kein Problem: Gossler, Vater von sechs Kindern, lässt das Haus auf dem Krähenberg aufstocken und luxuriös umbauen.

Die WG der Stipendiaten

Und heute? Seit 2017 mietet das Hamburger Konservatorium Räume in der Villa an und lässt darin Stipendiaten musizieren und wohnen (!).  2008 zog zudem die Horst-Janssen-Bibliothek in das Gebäude, die das Werk des Hamburger Zeichners und Graphikers zum Fokus hat. Wer einen Blick in das herrschaftliche Innere der Villa werfen möchte, sollte sich dieses Video der Stiftung Denkmalpflege Hamburg anschauen:

– Goßlerhaus, Goßlers Park 1 / Google Maps / Website

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2. Villa Jako

Ein geheimnisvolles Eingangstor – mehr sieht man nicht, wenn man eine weitere schicke Adresse in Blankenese aufsucht: die der Villa Jako, berühmt geworden durch einen schillernden Sohn der Stadt, Karl Lagerfeld. Doch dazu später mehr. Gebaut worden war die Villa ursprünglich in den 1920er Jahren für den vermögenden Schiffsassekuranzmakler Hermann Johannes Friedrich Witte. Für Innenansichten klickt Euch durch das folgende Instagram-Carousel:

 

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Wie einen römischen Tempel hatte Witte das Gebäude zunächst nach oben hin offen gelassen. Dem späteren Besitzer, ein Rechtsanwalt, schien das mitunter feuchte Hamburger Wetter nicht passend für eine solche Bauweise. So ließ er die Villa, wie ihr oben seht, mit einem regendichten Oberlicht aufstocken.

Lagerfelds Hommage an seine Große Liebe

Nur relativ kurz, von 1991 bis 1998 zog Karl Lagerfeld in das graue Landhaus. In Gedenken an seinen Lebensgefährten und große Liebe Jacques de Bascher, der 1989 an AIDS starb, nannte Lagerfeld es „Villa Jako“ und ließ sie opulent von einer Hamburger Kunstrestauratorin umgestalten.

 

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Die barocke Einrichtung des Modedesigners hat der gegenwärtige Besitzer, Musikproduzent Michael Haentjes, nun durch modernes Interieur ausgetauscht. In diesem YouTube-Video, offenbar während eines Mode-Shootings entstanden, könnt Ihr noch einmal einen Blick in die heutige Villa erhaschen:

– Villa Jako, Wilmans Park 17 / Google Maps 

3. Ein Heim für jüdische Waisenkinder

Weiter geht es zum Kösterberg in Blankenese zu einem Park mit mehreren Anwesen, die einst von den Warburgs bewohnt wurden, einer jüdischen Bankiers-Familie. Die Warburgs waren im 17. Jahrhundert ins freie Altona gezogen und hatten u.a. das „Israelitische Krankenhaus“, Hamburgs zweitältestes Hospital, gegründet. Auf dem obigen Bild seht Ihr das alte Wohnhaus der Warburgs. Die Familie nannte es „Arche Noah“, weil es aussah, als wäre es nach der Sintflut auf dem Rücken eines Berges gestrandet.

Die Warburgs / dasjuedischehamburg.de

Bald wurde die Arche Noah zu klein für die kinderreichen Warburgs, so bauten sie 1897 nebenan ein weiteres Gebäude, das „Weiße Haus“ genannt. In diesem wuchs auch Aby Warburg auf, der sich nicht als Bankier, sondern als Kunsthistoriker einen Namen machen sollte. 1913 folgte eine dritte Villa auf dem Grundstück, das „Rote Haus“.

Treffpunkt der Haute Vollée

In den 20er und 30er Jahren wurde der Römische Garten des Anwesens, zu dem man heute Zutritt hat, Treffpunkt der Hamburger Gesellschaft. Hier legten die Warburgs ein Heckentheater an, das durch eine geschwungene Treppe mit einem Rosengarten verbunden ist – gestaltet worden war es von Else Hoffa, die als Deutschlands erste Obergärtnerin über 25 Jahre lang für die Warburgs arbeitete.

 

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Es gab Aufführungen unter freiem Himmel, auf der Terrasse speisten Gäste oder tanzten zu Musik. Es klingt wie ein schöner Sommernachtstraum – der 1938 ein bitteres Ende nahm, als die Warburgs Hitler-Deutschland verlassen mussten und enteignet wurden. Nach Ende 2. Weltkriegs erhielten sie ihre Besitztümer auf dem Kösterberg zwar zurück. Doch sie sollten nie wieder nach Hamburg zurück kehren.

Die Kinder von Blankenese

Stattdessen richtete die Familie im „Roten“ und „Weißen Haus“ ein Heim für jüdische Kinder und Jugendliche ein, die in den Konzentrationslagern überlebt hatten. Bis 1948 wurden rund 1000 jüdische Waisen auf dem Kösterberg betreut – und schließlich unter der Leitung von Anita Warburg nach Israel gebracht oder an Pflegeeltern in aller Welt vermittelt. Wer sich für das Schicksal der „Kinder von Blankenese“ interessiert, dem empfehle ich das Sachbuch „Kirschen über der Elbe“ (2006), das man noch gebraucht im Web finden kann.

Foto: Elsa Brandström Haus

Heute nennt sich das Weiße Haus „Elsa Brandström Haus“, nach einer schwedischen Rotkreuz-Schwester, die mit den Warburgs befreundet war. Es dient als Tagungs- und Bildungshaus sowie für Mutter- und Kind-Kuren. Es gibt zudem Übernachtungszimmer, die auch Privatpersonen zur Verfügung stehen. Mehr Infos findet Ihr auf der Website.

– Kösterbergstraße 62 / Google Maps / Website 

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4. Das Halbmondhaus

Seit kurzem erstrahlt es in neuem Glanz, das zitronengelbe, halbkreisförmige Haus an der Elbchaussee / Ecke Halbmondsweg, umgangssprachlich „Halbmondhaus“ genannt. Ich war überrascht zu lernen, dass es ursprünglich eigentlich kein Wohngebäude war, sondern ein Stall, der später als Kutschen-Remise genutzt wurde. In Auftrag gegeben hat es 1796 wiedermal ein Engländer, den es ebenfalls nach Hamburg verschlug: der Großkaufmann John Thornton. Und dieser ließ den Stall von niemand geringem als dem bereits erwähnten Stararchitekten Christian Frederik Hansen planen. Das dazugehörige Landhaus, ebenfalls in der Form eines Halbkreises, befand sich gegenüber an der Elbchaussee. 1913 wurde es leider abgerissen. 2018 hat die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG das Halbmondhaus nach längerem Leerstand gerettet, gekauft und restaurieren lassen. Wo einst Pferde aus Boxen guckten, stehen nun die Schreibtische der Vega Reederei, die das Haus gemietet hat.

– Halbmondhaus, Elbchaussee, Ecke Halbmondsweg / Google Maps

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5. Landhaus Baur

Das Landhaus Baur ist ein letztes Beispiel für den klassisch-nüchternen Baustil des Architekten Christian Frederik Hansen. Der „königlich dänische Landbaumeister“ scheint unter den reichen hanseatischen Kaufleuten des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts eine Weile lang wirklich en vogue gewesen zu sein. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich von Hansen, so scheint es, ein kleines oder größeres Landhaus, notfalls auch einen Stall bauen… Je schlichter, desto edler. Zu Hansens Auftraggebern gehörte auch der Bankier Johann Heinrich Baur, der 1804 einen Entwurf für dieses schicke Kleinod bestellte: es sollte einen parkähnlichen Garten in Nienstedten an der Elbchaussee schmücken. Als sogenanntes „Elbschlösschen“ ging es in die Architektur-Geschichte der Stadt ein.

Foto: Hermann Reemtsma Stiftung

Ein Fieber löscht die Baurs fast komplett aus

Seinerzeit befanden sich im Erdgeschoss der Speisesaal und repräsentative Salons; die Privaträume der Baurs lagen im Obergeschoss. Tragisch: Der Bauherr konnte sich nicht lange an seinem Besitz erfreuen. Er starb 1807 im Alter von nur 40 Jahren an einem schweren Fieber, dem kurz zuvor auch sein Sohn und seine Tochter erlagen. Allein seine Frau überlebte – brachte aber einige Monate später noch einen Sohn zur Welt…

Von der Brauerei zum Stiftungssitz

1882 verkauften die Erben den westlichen Teil des Geländes an eine Brauerei, die sich nach dem kleinen Landhaus benannte. 1995 stellte die „Elbschloss-Brauerei“ ihren Betrieb ein. Das riesige Brauhaus aus Backstein wurde in eine luxuriöse Seniorenresidenz verwandelt. Und wieder war es die Hermann Reemtsma Stiftung, die das kleine von F.C. Hansen gestaltete Wohnhaus nebenan rettete: Im Jahr 2000 machte sie es zu ihrem Verwaltungssitz und ließ es liebevoll restaurieren.
Lust auf noch mehr Housespotting? Dann schau mal in den 1. Teil dieser kleinen Serie:

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