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Housespotting: Geschichten über Hamburgs Prächtigste Villen & Wer Heute Darin Lebt

Housespotting: Geschichten über Hamburgs prächtigste Villen & wer heute darin lebt

Dies ist der Start einer kleinen Serie, in der ich euch Hamburgs prächtigste Villen an Elbe und Alster, in den teuersten Straßen der Stadt vorstellen möchte. Zum Glück kostet Gucken ja nix… Wer hat diese Luxustempel gebaut und wer wohnt heute darin? Ich habe da mal ein bisschen recherchiert. Willkommen auf meiner kleinen Housespotting-Tour!

TEXT UND FOTOS: Susanne Krieg aka Frau Elbville

1. Harvesterhuder Weg 22: Wilde Partynächte mit Wolfgang

Wer aus diesen Fenstern am Harvesterhuder Weg blickt, sieht hinter Wiesen die Alster hervor blitzen. Die Villa mit dem Guckloch im Kuppeldach gehörte schon zur Gründerzeit zu den nobelsten Adressen von Hamburg. Ende der 1980er Jahre zog Wolfgang Joop ein und feierte hier seine Mode mit rauschenden Festen. „Ich muss sicher nicht erklären, wodurch Hamburger Nächte sehr lang werden konnten und nicht nur der Vampir weiß, wie tödlich Morgenlicht sein kann“, schreibt Joop in seinen Memoiren – und so endet eine dieser wilden Nächte sogar in einer Kokain-Razzia. 1999 gehen die Party-Lichter aus. Joop verkauft rund 95 Prozent seines Unternehmens sowie die Villa an der Alster, um in das alte Gut seiner Familie bei Potsdam zu ziehen. 2016 kehrt das Modeunternehmen Joop zurück an die Alster, wo es seither wieder repräsentative Show-Räume in der Villa betreibt.

 

2. Harvesterhuder Weg 41: Die Heine-Villa mit dem dunklen Kapitel

Wir bleiben am Harvesterhuder Weg. Die düstere Atmosphäre auf dem Foto passt zu einem dunklen Kapitel in der Geschichte dieses Hauses, das im Vergleich zu den überwiegend weißen Villen an der Alster etwas aus dem Rahmen fällt. Die Familie Krogmann hatte es 1878 vom Architekten Martin Haller bauen lassen. Der Erbe Carl Vincent Krogmann wurde unter den Nazis Bürgermeister von Hamburg und machte das Gebäude zum Reichsgaupropagandaamt. Als es die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt, wies sie es schließlich dem in Hamburg 1781 gegründeten Verlag Hoffmann & Campe zu. Dessen Sitz befindet sich bis heute darin.

Das Dichter-Denkmal, das die Nazis überlebt

1959 wurde eine bronzene Heinrich-Heine-Plakette aus dem Jahr 1898 wieder am Haus angebracht. Sie war während des Nationalsozialismus abmontiert und versteckt worden, während die Nazis die Bücher des Dichters mit jüdischer Herkunft verbrannten. Heine hatte ab 1816 eine Zeit lang in Hamburg bei seinem Onkel Salomon Heine gelebt und wurde einer der Gründungsautoren des Hoffmann-und-Campe-Verlags. Heute ist die Plakette das einzig originale Heine-Denkmal der Stadt, das den Nationalsozialismus überstanden hat. Darum wird die ehemalige Krogmann-Villa nun auch Heine-Villa genannt.

 

3. Harvesterhuder Weg 5/6: Der Exzentriker auf der „Straße der Millionäre“

Eine letzte Villa am Harvesterhuder Weg, auf die ich euch aufmerksam machen möchte, ist die „Sloman-Burg“. Als diese für Hamburger Verhältnisse exzentrisch anmutende Doppelvilla 1848 gebaut wurde, schüttelten viele Hamburger noch den Kopf. Vor allem, weil es damals für Millionärsfamilien völlig unüblich war, auf einem ländlichen Terrain wie Harvestehude dauerhaft wohnen zu wollen – und das auch noch im Winter. Es brauchte zwei Pioniere wie den schwerreichen Reeder Robert Miles Sloman (1783-1867) und Senator Ascan Wilhelm Lutterroth (1783-1867), um das Alsterufer unter Hamburgs Gutbetuchten en vogue zu machen. Nachdem sie hier ihre Doppelvilla errichteten, stieg der Harvestehuder Weg bald zur „Straße der Millionäre“ auf. Heute ist ein Studio für Yoga und Massage in die eine Hälfte der Doppelvilla eingezogen.

 

4. Elbchaussee 186: Erben in Monaco und ein Filmauftritt bei Wim Wenders

Nirgendwo in Hamburg steht man schöner im Stau als auf der Hamburger Elbchaussee – zur einen Seite Elbe, Kräne und Tanker, zur anderen beeindruckende Villen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Besonders ins Auge fällt eine mächtige Säulenvilla auf Höhe der Strandperle. Ihr Erbauer war ein vermögender Zuckerfabrikant (und natürlich Reeder ;-)) mit umfangreichen Handelsbeziehungen nach Nordrußland. Er ließ die Villa um 1820 nach dem Vorbild eines Schlösschens auf der Krim gestalten. Bis vor kurzem verfiel das Gebäude still vor sich hin und stand als „Lost Place“ bereits vor der Zwangsvollstreckung. Der Grund: Der Erbe, Ralf-Rüdiger von Behren, lebte in Monaco und hielt es nicht für nötig, das unter Denkmalschutz stehende Haus in Stand zu halten. Dann stirbt von Behren. Seine ebenfalls in Monaco lebende Mutter erbt die Elb-Residenz.

Wo Dennis Hopper Zigaretten rauchte

Zum Glück steht die Mutter laut Zeitungsberichten anders als der Sohn in einem „guten und konstruktiven Austausch“ mit dem Denkmalschutzamt. Und tatsächlich erstrahlt der Säulentempel seit ein paar Monaten wieder in standesgemäßem Weiß. Ob sie wieder bewohnt ist? Es sieht momentan nicht so aus. Ich würde jedenfalls gern mal durch ihr Inneres laufen, ich kann mir vorstellen, dass dort noch ein paar interessante Erinnerungen an das alte Hamburg zu finden sind. Fun Fact: 1977 hat Wim Wenders das Gebäude als Location für seinen Film „Der amerikanische Freund“ ausgewählt und in den Pausen mit Dennis Hopper auf der Terrasse Zigarette rauchend den Blick auf die Elbe genossen.

In diesem Trailer sieht man zwar die Villa nicht, aber dafür blitzt an einigen Stellen das Hamburg der späten 1970er auf… Wenn Ihr Euch für weitere kultige Filmaufnahmen interessiert, die Euch die Stadt im vergangenen Jahrhundert zeigen, schaut mal in diesem Blogpost vorbei:

TIPP ZUM WEITERLESEN
1920er bis 1990er: Seltene Kult-Dokus aus Hamburgs Vergangenheit, die man auf YouTube findet!

 

5. Baron-Voght-Straße 63: Das Landhaus des Revoluzzers

Dieses an die Herrenhäuser der amerikanischen Südstaaten erinnernde Landhaus am Jenisch-Park in Klein Flottbek gehörte einst Caspar Voght (1752-1839), einem fortschrittlichen Hamburger Kaufmann mit einem Faible für England. Er hasste den Handel und brach schließlich mit der Familientradition, um Landschaftsgärtner zu werden. Er legt in Flottbek eine „ornamented farm“ nach englischem Vorbild an und bettet Nutzflächen und Gebäude in einen wunderschönen Park ein. Auf dem sogenannten „Mustergut“ revolutioniert er die Landwirtschaft und baut zB. als erster Norddeutscher Kartoffeln an. Voghts Park ist inzwischen nach dem Senator Martin Johann Jenisch benannt, an den Voght sein Mustergut später verkauft.

Die erste WG Klein Flottbeks

Caspar Voght reformiert neben der Landwirtschaft auch die Armenhilfe und verbessert u.a. die Bedingungen, die in damaligen Gefängnissen herrschen. Über sein Landhaus sagte er: „In der kleinen prunklosen Wohnung kann alles einfach, ungeschmückt, selbst von minderer Güte seyn, und doch leicht mehr halten, als das Aeußere verspricht.“ Na, wenn das mal nicht hamburgisches Understatement war… Interessanterweise wohnt Voght, zeitlebens überzeugter Junggeselle, ab 1816 mit seinem Geschäftspartner Georg Heinrich Sieveking und dessen Ehefrau Johanna Margaretha sowie dem Altonaer Verleger Piter Poel und dessen Familie zusammen im Landhaus. Die für diese Zeit wohl eher ungewöhnliche Wohngemeinschaft wird bekannt für ihre geselligen Abende, auf denen man Tee trinkt und Schach spielt. Heute befindet sich u.a. das Atelier der Künstlerin Antje Schönau in dem Haus. Den Jenischpark sowie das ebenfalls spannende Jenisch-Haus, ein weißer, klassizistischer Kubus, mache ich übrigens in diesem Post zum Thema:

TIPP ZUM WEITERLESEN
Hamburgs grüne Fluchten: Wo sich geheime Ruheoasen und blühende Paradiese verstecken

 

6. Elbchaussee 239: Die teuerste Villa der Stadt

Dieses Schloss übertrumpft sie alle: auf dem Elbhang hoch über dem einzigen FKK-Strand Hamburgs thront dieser Palast. Früher wurde er die „Villa de Freitas“ genannt – nach dem damaligen Besitzer Carlos Pedro de Freitas. Heute gehört das Anwesen Harm Müller-Spreer, der es vom Sohn eines Kapitäns zum Sylter Segelmacher und schließlich zu einem der größten Immobilieninvestoren in Berlin Mitte gebracht hat. Sein Anwesen in Hamburg-Othmarschen hat der Multimillionär und Besitzer einer Renn-Yacht samt Crew vom britischen Starachitekten David Chipperfield höchst persönlich restaurieren lassen, obwohl dieser normalerweise nicht für Privatpersonen arbeitet. Als Müller-Spreer das über 115 Jahre alte Haus 2013 für satte 20 Millionen Euro kaufte, soll es eine Bruchbude gewesen sein. Laut Mopo ist es heute die teuerste Villa Hamburgs. Wieviel die Sanierung gekostet hat? Keine Ahnung. Man munkelt, mindestens 10 Millionen. Man gönnt sich ja sonst nichts…

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